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Leseprobe zum Buch 创Der Krieg``

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ISBN: 3593372363   ISBN: 3593372363   ISBN: 3593372363   ISBN: 3593372363 
 
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Kindersoldaten

»Hitler the killer« ist ein elfjähriger Junge, der in Liberia lebt. Sein eigentlicher Name ist Abraham. Als er sieben Jahre alt war, kamen Männer, nahmen ihn mit, gaben ihm ein Gewehr und eben diesen Namen, »Hitler the killer« . Er ist jetzt seit vier Jahren Soldat, ein guter Soldat, wie sein Vorgesetzter meint. »Wenn ich sage, geh und töte, tötet er.« Manchmal wurde ihm befohlen, Männern die Augen heraus- zuschneiden. Er habe das getan, erzählt Abraham, und sein Vorgesetzter fügt hinzu, Kinder seien die besten Soldaten.

Weltweit gibt es etwa 200.000 bis 300.000 Kindersoldaten – eigentlich müsste man sagen, kindliche Soldaten, denn es sind typische kindliche Eigenschaften, die sie zu begehrten Soldaten machen (Münkler 2002). Geringes Risikobewusstsein in Verbindung mit der Bereitschaft, Erwachsenen blind- lings zu folgen, machen sie so begehrt. Die kleineren Kinder werden von den Älteren oft direkt an die Front geschickt. Die Kämpfe von Kindern sind besonders erbittert und blutrünstig, weil sie häufig noch über keinen Selbsterhaltungstrieb verfügen und die Todesgefahr nicht begreifen, in der sie sich befinden. Sollten Kindersoldaten doch einmal Furcht zeigen, wird diese mit Drogen neutralisiert (Kapuscinski 1999). Während Erwachsene erst eine lange militärische Ausbildung durchlaufen müssen, um Gefahren standzuhalten und auch trotz hohen Risikos immer wieder zu kämpfen statt zu fliehen, brauchen Kinder aufgrund ihres Spieltriebes oft gar keinen Drill, der sie kämpfen lässt.

Die Renaissance des Kindersoldaten hängt mit einer technologischen Veränderung zusammen. Seit- dem automatische Handfeuerwaffen immer leichter und immer einfacher zu bedienen sind, können sie auch von Zehnjährigen gehandhabt werden, ohne dass dafür besondere körperliche Anstrengungen oder eine Ausbildung nötig sind (Münkler 2002). Eigentlich sind es nicht die Kinder, die bewusst die Schnell- feuerwaffen bedienen; vielmehr sind Kinder die menschlichen Anhängsel von Waffen. So könnte für den speziellen Fall der Kindersoldaten gelten: Menschen töten nicht, Waffen töten.

Kindersoldaten sind Täter und Opfer zugleich: Täter, die zwar nur bedingt für ihr Tun verantwortlich sind, aber das Töten gelernt haben; Opfer, die häufig selbst als Erwachsene nicht aus dem Gefängnis ihrer Traumatisierungen ausbrechen können. Besonders deutlich wird die Täter-Opfer-Konstellation bei weib- lichen Kindersoldaten, die nicht nur kämpfen und töten, sondern zugleich der sexuellen Befriedigung der Kämpfenden beider Seiten dienen (Schmid/Schmid 2001). Kindersoldaten werden vielfach gewaltsam rekrutiert, kommen aber auch »freiwillig« , um dem elenden Leben in den Hunger- und Armutsgebieten der Dritten Welt zu entgehen (Brett/McCallin 2001). Die neuen, oft mit Kindersoldaten geführten Kriege bringen neue Zerstörungen und neues Elend mit sich, und es ist nicht immer klar, ob Armut und Hunger zu Krieg und Gewalt führen oder ob umgekehrt der Krieg der Vater von Armut und Hunger ist (Münkler 2002).

  
Der Krieg: Geschichte und Gegenwart (Campus Einf黨rungen)
von Andreas Herberg-Rothe
Siehe auch:
Die neuen Kriege
Der Wandel des Krieges: Von der Symmetrie zu...
Krieg: Eine Einf黨rung in die Theorie bewa...
Neue Kriege: Akteure, Gewaltm鋜kte, 謐onomie
Krieg, UTB Profile
Terrorismus - Der unerkl鋜te Krieg: Neue Gefahr...
 
   
 
     
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