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Einleitung: Chamäleon Krieg»Der Krieg ist also nicht nur ein wahres Chamäleon, weil er in jedem konkreten Fall seine Natur etwas ändert, sondern er ist auch seinen Gesamterscheinungen nach, in Bezug auf die in ihm herrschenden Tendenzen, eine wunderliche Dreifaltigkeit«. Mit diesen Worten leitet Carl von Clausewitz, der bis heute bedeutendste Theoretiker des Krieges und der Kriegführung, seine abschließenden Überlegungen zur Theorie des Krieges ein. Diese drei Tenden- zen der »wunderlichen Dreifaltigkeit« sind die ursprüngliche Gewaltsamkeit des Krieges, der Kampf zwischen zwei oder mehreren Gegnern sowie die untergeordnete Natur des Krieges als eines politi- schen Werkzeuges. Im Gegensatz zu gängigen Interpretationen erschöpft sich Clausewitz' politische Theorie des Krieges keineswegs in seiner berühmten Formel vom Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Vielmehr betont er mit seiner dialektischen Konzeption der wunderlichen Dreifaltigkeit die Wandelbarkeit des Krieges, seinen chamäleonhaften Charakter (Clausewitz 1990, 212213). »Dies ist kein Krieg mehr.« Diese von Lord Kitchener, Oberbefehlshaber der englischen Streitkräfte, während des Ersten Weltkriegs getroffene Aussage verdeutlicht grundlegende Probleme mit dem leid- vollen Phänomen Krieg (zit. Stephan 1998, 133). In der historischen Entwicklung hat es immer wieder Zäsuren in der Kriegführung gegeben, die den Zeitgenossen als umwälzend und revolutionär galten, wäh- rend sie den Nachkommen als bloße Fortentwicklungen des Krieges erschienen. Nach dem Interven- tionskrieg gegen den Irak von 1991 plädierte man sogar für die »Abschaffung des Krieges«. Gemeint war jedoch, dass solche »Polizeiaktionen« nicht mehr mit dem Begriff des Krieges belastet werden sollten (Osiander 1995). Auch heute geht man von einem grundlegenden Bruch in der Kriegsgeschichte aus, dem zwischen alten und neuen Kriegen nach den Epochenjahren um 1989 und dem Ende des Wettrüs- tens zwischen Ost und West. Die neuen Kriege sind gekennzeichnet durch den Verfall von Staatlichkeit und
das Überhandnehmen privatisierter Gewalt, das Auftreten scheinbar längst
der Vergangenheit angehörender Waffenträger wie Söldner, Kindersoldaten
und Warlords sowie durch Kämpfe um Identität, Bodenschätze und
grundlegen- de existentielle Ressourcen wie etwa Wasser. Ihr äußeres
Kennzeichen ist das vermehrte Auftreten irrational scheinender und exzessiver
Gewalt (Selbstmordanschläge, Formen von Mega-Terror wie bei den Anschlägen
vom 11. September), Massakern linker wie rechter, islamistischer oder sonstiger
reli- giöser Bewegungen oder das Umschlagen von nachbarschaftlichen Beziehungen
in den »Kampf aller gegen alle« in ethnisch überformten Konflikten. |
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